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Erfahrungsbericht Hodentumor

    Erfahrungsbericht Hodentumor

    Erfahrungsbericht Hodentumor

    Dies ist die Geschichte meines 1. Wellensittiches Namens Tweety, den ich an einen Hodentumor verloren habe.
    Ich hoffe es hilft auch anderen Haltern über die schwere Zeit hinweg zu kommen und öffnet vielleicht anderen Haltern die Augen.

    Tweety, ein hübscher blau-grüner Hahn zog Anfang 2002 bei mir ein. Er bekam natürlich direkt einen Tag später einen Partner hinzu.
    Er war ein stattlicher Hahn und hatte über Jahre hinweg viele Artgenossen überlebt.
    Ein robuster und zäher Hahn, in meinen Augen. Denn Tweety war eigentlich nie krank.
    Im Alter von 7 Jahren habe ich meinen derzeitigen Wellis, Tweety und seinen auch zähen Kumpel Rüdiger, ein Geschenk machen wollen und habe
    zwei recht junge Wellis mitgebracht. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht dessen bewusst, dass man besser gleichaltrige Tiere zusammen setzt.
    Alleine schon dem Stress wegen, der ja bekanntlich viel bei Wellensittichen auslösen kann.

    Aber es war nicht weiter schlimm. Oder doch?
    Einer der beiden jungen Wellis war unheimlich "verliebt" in meinen Tweety und flog den ganzen Tag hinter ihm her, wollte ihn ständig füttern und betüdeln.
    Eine stressige Zeit für meinen alten Hahn. Aber im Grunde genommen hatte sich mein Tweety mit dem kleinen Welli (sein Name ist Bobby) angefreundet.
    Und schließlich waren die beiden unzertrennlich.

    Aber zu dieser Zeit hatte ich bei meinem Tweety, der ja schließlich nicht mehr der Jüngste war, eine kleine Veränderung festgestellt.
    Seine sonst schöne, dunkelblaue Wachshaut zeige eine leichte Verfärbung. Es machte sich etwas Braun dort breit.
    Also bin ich mit Tweety zum vk TA. Der sagte, dass ich es beobachten soll. Der Welli
    wäre ja sonst gesund und hat durch die Verfärbung keine
    Einschränkungen. Er meinte auch, dass es das Alter sein könnte, eine
    Hormonumstellung würde statt finden.
    Es wäre zu vergleichen, mit den grauen Haaren bei uns Menschen.
    Und wenn ich es genau wissen wollte, was der Welli hat, dann soll ich in eine Praxis fahren, in der man auch Röntgenaufnahmen machen könnte.
    Also
    beobachtete ich dies. Mir fiel auf, dass die braune Verfärbung größer
    wurde. Etwas schuppte. Und danach wieder blasseres Blau hindurch kam.
    Mir gefiel das Ganze nicht. Also bin ich zu einem anderen vk TA, der auch Röntgenaufnahmen machen konnte.

    Dieser vk TA meinte dann, dass solche Verfärbungen der Hahnen-Wachshaut auch ein Zeichen für einen Hodentumor sein könnte.
    Man könne, für den Fall dass es ein Tumor ist, per Röntgen nachgewiesen werden.
    Das Röntgenbild war dann fertig, die vk TÄ konnte aber nichts auf dem Röntgenbild erkennen, was außer der Norm war.
    Sie meinte, es wäre also nur eine Umstellung des Hormonhaushaltes.

    Mir blieb also nichts weiter übrig, das Ganze zu beobachten. Tweety war gut drauf wie immer. Keine Krankheitszeichen,
    die irgendetwas ahnen lassen konnten. Nur diese blöde Verfärbung, die
    kam und ging mit den Monaten. Das dunkle Blau verschwand allerdings
    irgendwann ganz. Zurück blieb es blasses Blau oder ein Brau, welches mal mehr und mal weniger intensiv war.
    Wenn ich mal Bilder online gestellt hatte, dann wurde mir von anderen Haltern oft mal gesagt, mein Tweety wäre eine Henne.
    Da mußte ich sie leider berichtigen. Tweety war 7 Jahre lang ein stolzer Hahn, mit einer schönen intensiv blauen Wachshaut.
    Fälschlicherweise hätte man ihn für eine Henne halten können. Es sah halt aus, als wäre eine Henne in Brutstimmung.

    Und weil ich nichts weiter unternehmen konnte und weil es Tweety im Grunde genommen gut ging, wartete ich ab, was passiert.
    Da einer meiner beiden neuen Wellis mal ein Problem hatte, bei dem mir kein vk TA helfen konnte, studierte ich alle Homepages der TÄ, in der Region.
    Ich wollte das Rätsel um die Krankheiten lösen und wurde sogar fündig.Da war seit kurzem eine junge vk TÄ, in einer Praxis angefangen, die ich gut erreichen konnte.
    Also habe ich mir mein kleines Sorgenkind mitgenommen und weil ich gerad sowieso unterwegs war, auch den Tweety.
    Und schau da, es konnte weiter geholfen werden.
    Diese vk TÄ erklärte mir, dass Tweety wohl einen Hodentumor hat. Sie erklärte mir auch, dass dieser Tumor nicht immer auf Röntgenbilder zu sehen ist.
    Und wenn dieser Tumor noch keine Größe angenommen hat, die auffällig wäre, dann könnte man meinen der Welli wäre gesund.
    So wie bei meinem Welli.
    Inzwischen war knapp 1 Jahr nach der ersten Verfärbung vergangen.
    Ich war jetzt schlauer. Und mußte lernen, zu akzeptieren.

    Angeblich gibt es inzwischen auch Goldimplantate, die man dem Patienten einpflanzen kann. Diese sollen ein Hormonproblem mindern, bzw. einen kleinen Hodentumor
    im Wachstum verlangsamen. Ich weiß nicht, wie es genau aussieht, da ich
    es nicht versucht habe. Diese Methode ist halt sehr umstritten und der Erfolg hält sich in Grenzen. Angeblich kann es sogar passieren., dass diese Methode andere gesundheitliche Probleme auslöst.
    Dazu muß ich auch sagen, dass ich kein Freund davon bin, meine Wellis als "Versuchskaninchen" her zu geben, und ich bin auch kein Freund davon ein Leben auf Teufel komm raus, am Leben zu erhalten.
    In meinen Augen ist es wichtiger, einem Tier noch ein schönes Leben zu ermöglichen! So lange, wie es geht!
    Die Würde eines jeden Lebewesen ist unantastbar. Und schließlich möchte ich meine Wellis in schöner Erinnerung behalten. Und sie mich.
    Viel mehr andere Methoden zur einer Heilung eines solchen Tumors sind, meines Kenntnisstand nach, leider (noch) nicht vorhanden.

    Meine vk TÄ meinte, ich soll meinem Tweety noch ein möglichst schönes Leben ermöglichen und wieder kommen, wenn ich spüre, dass es ihm nicht mehr gut geht.
    Es verging also wieder ein halbes Jahr. Mir fiel bei Tweety´s Lieblingsbeschäftigung, dem Baden auf, dass er eine erbensgroße Erhebung im Bereich der Kloake hat. Um ganz sicher zu gehen, dass es sich um den Hodentumor handelt, bin ich mit Tweety zur vk TÄ. Diese bestätigte meine Vermutung.
    Jetzt war es nicht nur eine Verfärbung der Wachshaut, jetzt war es ein "fassbares" Problem.
    Auf meine Frage hin, woran ich merken würde, dass es Tweety gesundheitlich schlecht geht, sagte meine vk TÄ, dass es spätestens dann Zeit wird, den Welli
    zu erlösen, wenn der Tumor beginnt auf die Nerven der Beine, zu
    drücken. Eine Folge daraus wäre, dass dass Beinchen etwas gelähmt würde.
    Dann sollte ich wieder kommen.

    Und so vergingen weitere Monate. Tweety war gut drauf, nur er war hier und da etwas ruhiger und müder als zuvor. Aber kein Plustern, nichts.
    Irgendwann nahm sein Haltung die Form einer legereifen Henne an. Die Kot-Klümpchen wurden auffällig groß und größer. Es lag wohl daran, dass der Tumor den ganzen Raum im kleinen Wellikörper einnimmt, den Organen Platz weg nimmt. Daher eher der seltene aber dafür große Kotabsatz.
    Aber es ging Tweety immer noch verhältnismäßig gut.
    Dann fing er an, sich oft mal hin zulegen. Ein wenig zu dösen.
    Leider war es so, dass dies immer öfter der Fall war.
    Der Tumor war gar nicht so groß, wie man meinen mag. Optisch hätte es auch sein können, dass der Welli etwas zu dick ist. Aber dieser Tumor nahm den Raum im Welli für sich ein.
    Aber Tweety war ja zäh, er hatte immer noch Spaß am Leben und wollte sich nicht unterkriegen lassen.
    Inzwischen war er schon stolze 9 Jahre alt.
    Immerhin 2 Jahre waren seit den ersten Verfärbungen, der Wachshaut und dem doch deutlichen Zeichen des Tumors vergangen.

    Am Anfang des Jahres war es dann so weit. Ich kam von der Arbeit Heim und sah wie immer nach den Fliegern.
    Tweetys
    Anblick gefiel mir gar nicht. Er lag nur auf einer Seite seines kleinen
    Körpers. Als er mich sah, wollte er so tun, als wäre nichts.
    Also torkelte er los, flog eine kleine Runde und legte sich dann wieder auf die Seite.
    Das war der Zeitpunkt und ein klares Zeichen für mich, dass ich Tweety erlösen lassen würde.
    Gesagt, getan.

    Anhang:
    Tweety ein paar Wochen vor dem einschläfern. Man kann noch gut erkennen, wie die Wachshaut verfärbt ist. Vor allem im Vergleich zu dem blauen Bobby, der neben Tweety sitzt.

    ...einen lieben Gruß von den 5 Fliegern, Wiki, Lucy, Wolfgang, Horst und Tristam! :love: (Bobby, Du fehlst. 13.12.14)
    Patenwellis: Wolfgang - I Love Wellis, Horst - Matze.

    Einen lieben Gruß an Jewel (Eagletiger 2.1) die mein Patenwelli-Mädel ist. Tief im Herzen: Zeus&Birte
    Ergänzung zu Mad Skys Erfahrungsbericht Hodentumor von Tanja&Co.

    Ähnlich wie Tweety erging es auch Nick. Ich beobachtete schon seit geraumer Zeit eine Veränderung der Wachshaut, schob es allerdings immer beiseite, weil ich auf ein generelles Hormonproblem schob, dem ich nicht großartige Bedeutung zumaß, denn Nick war zu der Zeit schon um die 7-8 Jahre alt. Ich dachte halt, sowas käme bei älteren Hähnen vor... So wie bei Frauen die Wechseljahre und beim Männern die *räusper* schwindende Potenz.

    Naja, eines Tages war es allerdings so, dass Nicki sich extrem komisch verhielt.. Er saß auf der Viere, stütze seinen Körper immer wieder an der Wand und benahm sich sehr komisch. Ich befürchtete schon einen Schlaganfall, das ganze Verhalten war so merkwürdig. Auch schien er in einem Bein keine richtige Kraft zu haben, der Greifreflex war auch nicht vorhanden. Ich packte ihn also in seine TB und nahm ihn mit zu meinen vk TA.

    Nach eingehender Begutachtung wurde Nick geröngt. Das Skelett sah aus, wie das einer Henne kurz vor der Eiablage. Überall Kalkablagerungen. Dies Ergebnis verbunden mit der bräunlichen Veränderung der Wachshaut (auch schubweise, aber nie ganz braun) lies den vk TA zu dem Schluss kommen, dass Nick einen Hodentumor hat. Dafür sprachen auch die Lähmungserscheinungen im Bein, denn der Tumor drückte offensichtlich auf den Beinnerv.

    Mein TA berichtete mir, dass er Nick ein Hormonimplantat einsetzen könnte. Allerdings sei es eins für Hunde, das er entsprechend verkleinern würde. Allerdings gäbe es im Bereich Vogelmedizin keine weitreichenden Erfahrung über den Nutzen. Ich entschied mich trotz allem, das Implantat einsetzen zu lassen. Da ich so panisch war, hat mein TA den Eingriff noch am selben Abend gemacht, weil der nur 15 Minuten dauert und einen winzigen Schnitt erforderte.

    Meine Erfahrungen mit dem Implantat waren durchweg positiv. Nickis Lähmungserscheinungen waren wie durch ein Wunder weg. Ich hab keine Ahnung ob das Ding den Tumor hat schrumpfen lassen oder wie das möglich war, aber dieser Eingriff hat Nicks Leben mit Sicherheit verlängert. Ich denke ohne das Implantat wäre er keine 11 Jahre alt geworden. Leider ist er vor wenigen Wochen in meiner Hand eingeschlafen.
    Liebe Grüße - Siggi
    sowie die Schmachtperlen Olli (4,5), Simon (3) und Taifun (3). Im Herzen: alle meine ehemaligen Wellis (siehe Profil)

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