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Erfahrunsbericht: Flügelamputation

    Erfahrunsbericht: Flügelamputation

    Hier möchte ich über den momentan ca. 3-4 Jahre alten Pedro berichten. Pedro kam als Abgabevogel vor ca. 2 Jahren in meinen Schwarm. Von Anfang an war dieser grüne Hahn ein echter Streithammel und hat sich mit fast jedem anderen gesunden Hahn hier geprügelt und sich ohne Pardon auf jedes puschelnde Pärchen geworfen.
    Dem entsprechend hatten seine Kontrahenten und auch Pedro selbst regelmäßig irgendwelche Blessuren, hier mal ein gezerrtes Füßchen, da mal eine Bißwunde oder auch mal ein paar fehlende oder ramponierte Federn. So habe ich mir weiter nichts gedacht, als Pedros linker Flügel immer zerrupfter wurde.
    Vor ein paar Wochen ist mir dann aber aufgefallen, dass der linke Flügel oben immer weiter vom Körper abstand und das Fliegen Pedro zunehmend schwerer fiel. Da aufgrund von Pedros Verhalten für mich die anhaltenden Hahnenkämpfe die naheliegendste Ursache waren, beschloss ich noch etwas abzuwarten ob es von selbst wieder besser wird. Da das nicht der Fall war, musste Pedro kurz entschlossen beim nächsten Tierarztbesuch mit.

    Bild 1: Hier steht der linke Flügel oben ab. (Im Bild rechts.)


    Der vogelkundige Tierarzt diagnostizierte in der oberen Hälfte des linken Flügels einen Tumor. Auf der Innenseite bildete dieser bereits eine deutliche Verdickung und auch auf der Oberseite schimmerte das Tumorgewebe schon durch die Haut. Theoretisch hätte man mit der Amputation auch noch warten können, bis der Tumor rapide anfängt zu wachsen. Aber darin habe ich keinen Sinn gesehen. Pedro ist jetzt noch im besten Alter und gesund genug um einen so schweren Eingriff einigermaßen wegzustecken. Wer weis ob das in einem halben Jahr noch immer der Fall gewesen wäre.
    Also entschloss ich mich die Amputation sofort machen zu lassen und so wurde Pedro vor 2 Wochen der komplette linke Flügel abgenommen. Als ich ihn abends beim Tierarzt abgeholt habe, saß er bereits wieder auf dem obersten Ast und alle waren erstaunt, wie gut Pedro die OP überstanden hatte. Laut Tierarzt hatte er danach auch keine Gleichgewichtsprobleme und konnte sofort problemlos rumklettern.
    Wieder zuhause bezog Pedro zusammen mit der alten flugunfähigen und gehbehinderten Paula einen behindertengerecht eingerichteten und gut gepolsterten Krankenkäfig. Vor fünf Tagen war ich dann mit Pedro zur Nachkontrolle beim Tierarzt. Dieser war mit der Wundheilung und Pedros Allgemeinzustand sehr zufrieden.
    Solange er im Käfig bleibt ist auch alles gut, die Beiden kraulen sich und hin und wieder hängt sich Pedro ans Gitter und schlägt mit dem verbliebenen Flügel. Dass ihm der zweite Flügel fehlt, irritiert ihn noch immer und auch für mich ist der Anblick eines einflügeligen Wellensittichs wirklich gewöhnungsbedürftig.

    Bild 2: Pedro nach der OP.


    Meine Versuche Pedro ans Stöckchentaxi zu gewöhnen waren bisher leider vergebens und sein erster Ausflug außerhalb des Krankenkäfigs endete extrem unkoordiniert kopfüber in meinem Wasserglas und das stand ein ganzes Stück vom Käfig entfernt. 8|
    Da er natürlich versucht zu fliegen, hat er gar keine Kontrolle über seine Bewegungen und fällt bei seinen Abstürzen auf die Seite und auch auf den Rücken. Da Paula altersbedingt nicht mehr in die Voliere zurück kann, wird Pedro ihr solange Gesellschaft leisten, bis die alte Dame nicht mehr ist. Dann werde ich versuchen ihn wieder in den Schwarm und in die Voliere zurück zu bringen, aber momentan habe ich mehr als leichte Zweifel, dass das gelingen wird. Aber kommt Zeit kommt Rat und ich werde hier auf jeden Fall weiter berichten.
    Viele Grüße von Manuela und den Gütsler Geiern
    Gestern musste ich Paula einschläfern lassen und habe nun heute versucht Pedro wieder in den Schwarm und die Voliere zu integrieren. Leider funktioniert das gar nicht. Pedro stürzte wiederholt ab und sein alter Rivale Paulchen wollte streittechnisch gleich wieder da weiter machen wo die beiden Streithähne vor Pedros OP aufgehört haben. Und bei den Streitereien wird Pedro immer den Kürzeren ziehen. Sein Verhalten zeigt auch, dass er sehr unsicher ist und nun sitzt er wieder allein im Krankenkäfig. :(
    Viele Grüße von Manuela und den Gütsler Geiern
    Pedro hatte Anfangs sehr große Schwierigkeiten mit seinem Handicap umzugehen und sich wieder in der Voliere zu integrieren. Man hat ihm ganz deutlich angemerkt, dass er sehr verunsichert war. Im Laufe der Zeit wurde es besser und er hat auch gemerkt, dass er nicht mehr fliegen kann und hat es auch gar nicht mehr versucht. Er ist kletternd auch immer besser zurecht gekommen und eigentlich dachte ich Ende Juli, Anfang August, er hat jetzt das Gröbste überstanden. Leider ist Pedro dann am 3. August 2011 abends plötzlich gestorben und als ich ihn genauer untersucht habe, habe ich einen neuen Tumor im Bereich des fehlenden Flügels gefunden. Im nachhinein glaube ich nicht, dass ich mich bei einem Tumor nochmal für eine Amputation entscheiden würde. :(
    Viele Grüße von Manuela und den Gütsler Geiern