Angepinnt PTFE - Pyrolyse - T*lon; Begriffsklärung und Gefahrenpotential

    PTFE - Pyrolyse - T*lon; Begriffsklärung und Gefahrenpotential

    Hallo Ihr Lieben,

    als ich neulich im Shopping-Errungenschaften-Forum geschrieben habe, ich hätte einen neuen Backofen machte @Cockatoo mich darauf aufmerksam, dass ich damit meinen Tieren schaden könnte.
    Ich war schockiert als ich erfahren habe, dass bestimmte Geräte/Kochgeschirre für Wellensittiche tödlich sein können.
    Ich habe daher einige Informationen darüber für Euch zusammengetragen, hauptsächlich von Seiten von Tierärzten, und versuche einige Begriffe besser zu klären. Man findet hierzu auch (falsche) Informationen auf bestimmten notorisch unwissenschaftlichen Gesundheits-Seiten. Bitte lasst Euch nicht verrückt machen.

    Pyrolyse
    "Pyrolyse" heißt erstmal einfach nur "überhitzen". Dafür, wie schädlich das ist kommt es darauf an, WAS überhitzt wird.
    Qualm, z.B. von einer Pyrolysereinigung, können wir riechen und wissen, dass wir ihn von unseren Vögeln fernhalten sollten.
    Viel gefährlicher ist aber die Pyrolyse von...

    PTFE
    In langer Form: Polytetrafluorethylen ist als Antihaft-Beschichtung z.B. auch bei T*lon-Pfannen enthalten. PTFE sondert teilweise schon ab 220° ein Gas ab, das für kleine Vögel besonders schädlich ist. Wir merken vielleicht, dass das Fett in der Pfanne arg spritzt, aber im Wohnzimmer fallen die Vögel von der Stange. Letzteres ist keine Übertreibung. Gerade bei Raclette-Parties wurden zum Entsetzen der Besitzer schon ganze Schwärme ausgelöscht. (Für Menschen ist es übrigens ab 260°gefährlich)

    Wo findet sich PTFE?
    PTFE findet man in vielen Kochgeräten, Haushaltsgeräten und Koch-/Backgeschirren. Z.B. Toaster, Waffeleisen, Raclettepfanne, Pfannenwender, Backmatte, Bräter, Glätteisen, Bügeleisen, Kuchenform, etc.
    Der Hinweis "bis/höchstens bei 260°", "T*lon" oder "Antihaft-Beschichtung" (außer Keramik-) sind Hinweise, dass PTFE enthalten ist. Backöfen - besonders die mit Pyrolyse-Funktion - sind meistens nicht mit PTFE beschichtet, sondern mit Email.
    Im Zweifelsfall in die Gebrauchsanweisung gucken und/oder sich an den Hersteller wenden.

    Wie kann ich meine Wellensittiche schützen?
    Man kann natürlich alles mit PTFE entsorgen und/oder auf folgende Vorsichtsmaßnahmen zurückgreifen:
    1. Produkte nicht im Wellensittichzimmer benutzen und immer bei geöffnetem Fenster.
    2. Antihaftbeschichtete Pfannen immer nur langsam und mit Fett erhitzen - dann ist die Temperatur leichter einzuschätzen;
    3. Im Ofen deutlich unter 220° verwenden, keinen Grill benutzen. Auch, wenn der Ofen auf 220° eingestellt ist, kann das Geschirr heißer werden.
    4. Antihaftbeschichtete Pfannenwender o.ä. nicht in der heißen Pfanne/im Topf liegen lassen.
    5. Je länger das Produkt im Gebrauch, desto geringer die Gasentwicklung. Wer bisher sein beschichtetes Bügeleisen seit Jahrzehnten im Wohnzimmer benutzt hat, wird damit jetzt nicht seine Vögel umbringen. Bei einem Neuen wäre ich vorsichtiger.
    6. Geräte mit verlässlicher Temperaturanzeige (z.B. bei Lockenstab, Reiskocher, Waffeleisen) geben Sicherheit.
    7. Keine Backofen-Reinigungssprays benutzen, die später beim Erhitzen (andere) giftige Dämpfe produzieren können.
    Mein Wellensittich ist gestorben, woran erkenne ich PTFE-Vergiftung?
    • eine Obduktion kann dies relativ schnell und einfach nachweisen
    • Nasenbluten, nach-Luft-Schnappen, Atemgeräusche, Verschlechterung in wenigen Sekunden
    • eine akute Vergiftung überleben Wellensittiche (aber auch Kanarien- und andere kleine Vögel) in der Regel nicht.
    Ich hoffe das hilft Euch und Eure Pieper bleiben lange gesund und munter!
    Wow, Danke für diese, wie mir scheint, wichtige Info.
    Sauber aufgedröselt, wunderbar gegliedert...
    Ich denke, das dürfte viele interessieren...

    Viele Grüße, Cockatoo

    These: Wellis sind fliegende Nagetiere. Sie machen nichts kaputt, sondern prüfen lediglich das Material auf Tauglichkeit: Schnabel/Krallen schärfen, Fressbarkeit, Höhlenbau.

    Stips schrieb:

    Wo findet sich PTFE?
    PTFE findet man in vielen Kochgeräten, Haushaltsgeräten und Koch-/Backgeschirren. Z.B. Toaster,



    Ich war besonders "entsetzt" über die Toaster. Sowas steht ja fast in jedem Haushalt...auch bei mir.
    Ich hätte wirklich an alles gedacht...aber nicht, dass auch ein Toaster mit so einer gefährlichen Beschichtung ausgestattet sein könnte.
    Das darf ich mir gar nicht vorstellen...da "brät" man sich in aller Ruhe seinen Frühstückstoast...und nebenan fallen die Wellis tot von der Stange. Schrecklich!


    Also mich würde es sehr interessieren, ob andere User noch weiter Gefahrenquellen des "Ausdünstens, Ausdampfens usw." kennen.
    Einfach auch, um das Bewußtsein für solche Gefahren "aus der Luft" zu stärken...

    Viele Grüße, Cockatoo

    These: Wellis sind fliegende Nagetiere. Sie machen nichts kaputt, sondern prüfen lediglich das Material auf Tauglichkeit: Schnabel/Krallen schärfen, Fressbarkeit, Höhlenbau.

    Ich hab dazu noch einen sehr interessanten Artikel gefunden bzw. eine Seite:

    zentrum-der-gesundheit.de/teflon-ia.html

    Dort ist u.a. die Rede davon, dass die Beschichtung auch bei beschichteten Pappkartons (z.B. Pizzakarton) verwendet wird. Beim basteln von Wellispielzeugen und Beschäftigungsmöglichkeiten werden doch vielfach Sachen aus dem Partygeschirrbereich verwendet (Pappteller und Becher) und wer diese schon mal ohne etwas drauf in der Hand hatte, hat sicherlich auch gemerkt, dass eine gewisse Beschichtung vorhanden ist, damit sie nicht durchfetten bzw. durchweichen. Ich persönlich hab wegen der Beschichtung immer auf diese Materialien verzichtet, aber ich würde es nicht ausschließen, dass es sich bei der Beschichtung um Teflon handelt, nachdem ich den Artikel auf der Seite gelesen hab, denn ich hätte Teflon z.B. auch nie in Pizzakartons oder Popkorntüten vermutet. Wer also bisher damit gebastelt hat, sollte vielleicht nach einer Alternative ohne Beschichtung suchen.
    @Kanji88 Zentrum der Gesundheit ist leider genau eine dieser unseriösen Seiten, die ich meinte.
    Die Seite ist unter Anderem die Speerspitze der deutschen Impfgegner und verbreitet Verschwörungstheorien (z.B. dass AIDS eine Erfindung der Pharma-Lobby ist). Sie bewerben auch unseriöse Heilmittel gegen Krebs (!!!) (siehe hier auf Psiram)

    Es ist trotzdem gut, dass Du darauf hingewiesen hast!
    In diesem Fall hat das Bundesumweltamt nämlich ein Dossier veröffentlich, aus dem u.a. hervor geht, dass auch die orale Aufnahme von PFOA - ein Stoff, der für die PTFE-Herstellung benötigt wird und der in Spuren noch vorhanden sein kann, bei einer Langzeitexposition (Anwohner eine Fabrik, die verschmutztes Wasser aufgenommen haben) gesundheitliche Folgen haben kann:

    "Un-abhängige Epidemiologen wiesen einen möglichen Zusammenhang zwischen verschiedenen Krankheiten und der langen PFOA-Exposition nach. Neben hohen Cholesterinwerten, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis Ulcerosa), Schilddrüsenerkrankungen, Hoden- und Nierenkrebs, wurde auch Präeklampsie und erhöhter Blutdruck während der Schwangerschaft durch erhöhte PFOA-Blutwerte begünstigt
    [...]
    In Langzeitstudien mit Ratten und Mäusen fördern perfluorierte Oktansulfonsäure (PFOS) und PFOA die Entstehung von Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Leydigzell-Tumoren. Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen ist umstritten. Arbeiter aus der fluorchemischen Industrie erkrankten jedoch häufiger an Krebs. Unbestritten ist die reproduktionstoxische Wirkung von PFOA und
    PFOS. Versuche zeigten eine erhöhte Sterblichkeit neugeborener Mäuse bei PFOA-Exposition. Zusätzlich war ihr Körpergewicht gegenüber nichtexponierten Mäusen deutlich geringer."

    umweltbundesamt.de/sites/defau…ierte_chemikalien_pfc.pdf (S. 13f.)

    Das MInisterium nennt auch Pizzakartons, Popcorntüten etc. als Träger von PFC/PFOA - das ist also korrekt.
    Soll heißen: ich würde es den Tieren nicht absichtlich verfüttern. Zum sofortigen Tod führt es aber nicht. Akute Lebensgefahr bestünde allerdings beim Verbrennen von Verpackungen.