Die unschönen Seiten der Zucht

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  • Gerade jetzt nach dem Wegfall der erforderlichen Zuchtgenehmigung...zumindest läuft es darauf hinaus...kommt bei vielen Haltern immer mehr der Wunsch auf, mal eben einen Nistkasten in den Käfig zu hängen. Küken sind ja so niedlich.


    Da stimme ich voll und ganz zu. Aber leider gibt es auch negative Aspekte und Erfahrungen der Zucht...z.B. rupfende Hennen, verstorbene und von den Eltern getötete Küken usw.


    In diesem Thread möchte ich Züchter und Halter bitten, die mal "ausprobiert" haben, dass sich ihre Lieblinge vermehren, mal ihre unschönen Erlebnisse zu schildern. Unter Umständen auch durch Zeigen von Bildern einfach mal den Überlegenden vor Augen halten, was so alles passieren kann.

    Einmal editiert, zuletzt von Rolo ()

  • Mein Vater züchtet seit über 40 Jahren Wellensittiche und ich bin "seit meiner Geburt" dabei. ;) Okay, aktiv so vielleicht seit knapp 30 Jahren.


    Da durfte man schon ne Menge miterleben:
    - Küken die beim Schlupf sterben wenn sie nicht genug Kraft haben sich aus dem Ei zu befreien
    - frisch geschlüpfte Küken die von der Henne nicht angefüttert wurden und/oder kurz nach dem Schlupf gestorben sind
    - sehr junge Küken die von der Henne oder älteren Geschwistern zerdrückt werden
    - sehr junge Küken denen Zehen, Füße, Flügel angefressen/abgefressen wurden (also "Kannibalismus")
    - Küken die gerupft wurden (das ist noch relativ harmlos) jedenfalls solange nicht bis aufs Blut gerupft wird
    - Küken die von den Eltern im Kasten attackiet und schwer verletzt werden, insbesondere abgetrennter Oberschnabel bzw. aufgehackte Kopfhaut
    - Küken die nach Verlassen des Nistkastens von den Eltern insbesondere vom Hahn bedrängt und verletzt werden

  • Im April 2011 erwarb ich die Zuchtgenehmigung. Da alles so schön vorbereitet war, bezogen auch bald drei brutunerfahrene Paare die Zuchtboxen.
    Wir hatten uns viel angelesen und haben viele Info`s förmlich aufgesaugt.
    Es dauerte nicht lang, und wir konnten uns über das erste Ei freuen. Aber irgendwann verging die Freude und Sorge machte sich breit. Wir waren von ca. 5-6 Eiern pro Paar ausgegangen und nicht von 11,9 und 7 Eiern. Bei der Henne mit den sieben Eiern waren auch unbefruchtete bei.
    Irgendwann war auch das knabbern und fiepen des ersten Kükens zu hören…war das aufregend. Die Kinder, Sana und ich freuten uns wie Bolle als wir das erste geschlüpfte Küken sahen. Die Mama machte bloß keine Anstalten ihr Junges zu füttern. Wir hofften inständig, konnten aber ein paar Stunden später nur noch das Küken tot und verhungert aus dem Nistkasten bergen. Ich werde die weinenden Gesichter von Sana, Milina und Jannik wohl nie aus meiner Erinnerung verbannen können.
    Mittlerweile war auch das Küken bei der anderen Henne geschlüpft. Und warum fütterte die auch nicht ?? Trotz des vielen Angelesenen standen wir auf dem Schlauch und hatten einen riesigen Kloss im Magen.
    Durch einen Anruf bei einem erfahrenen und vor allen befreundeten Züchter wurden wir belehrt, dass die unerfahrenen Hennen total überfordert sind. Die Gelege seien so groß und die Hennen müssen ja alle paar Minuten die Eier drehen, so dass sie von den Bettelrufen der Küken nicht animiert werden. Wir sollten versuchen das Junge mit einer lauwarmen Mischung aus fetthaltiger Kondensmilch und Wasser soweit zu stärken, dass das Küken weiterbettelt und nicht auf einmal entkräftet Ruhe gibt und stirbt. Aber ganz oft sollten wir in Hinsicht, dass die Henne das ja lernen muss, nicht machen. Ansonsten wird wohl jedes schlüpfende Küken elendig verhungern.
    Das klappte auch recht gut….zumindest lebte an nächsten frühen Morgen das Junge noch. Da unsere damalige zwölfjährige Tochter Milina schulfrei hatte, erklärte sie sich bereit, im Laufe des vormittags noch mal in den Nistkasten zu schauen, um noch mal nach zu füttern.
    Als ich auf der Arbeit einen Anruf von Zuhause bekam und Milinas heftiges Schlucken und Weinen hörte, war mir klar, was das hieß. Auch das zweite Küken war verhungert. Und sie hat das tote Küken gefunden.
    Inzwischen war das Geschwisterchen von dem ersten verstorbenen Küken geschlüpft…..nein, es wurde auch nicht gefüttert. Es war schon fast tot, als wir es sahen und die Kondensmilch wieder zum Einsatz brachten. Ein paar Stunden später war es gefüttert, aber nicht mit der Kropfmilch der Mama, sondern hatte den Kropf von seinem Vater (er war gerade dabei, als ich die Klappe vom Nistkasten öffnete) voll gefüllt bekommen mit Hirse und Kanariensaat. So etwas bedeutet für ein frisch geschlüpftes Küken den Tod. Es kann die Körner noch nicht verdauen und erstickt daran. Es war mit Sicherheit keine böse Absicht von ihm…..


    Ich denke nicht gerne an unseren Anfang der Zucht zurück. Aber auch dieses gehört zur Zucht und auch mehr.
    Milina hat heutzutage noch daran zu knabbern. Wenn sie weiß, dass in einem Nistkasten ein Schlupf bevorsteht, klopft sie nicht vorsichtig an die Tür des Nistkastens, um die Henne sanft zu bitten, ihr Gelege mal eben zu verlassen. Sie schaut erst wieder hin, wenn sie merkt, dass alles tutti ist.

  • Mit den Eiern kann auch ne Menge passieren:
    - es kann Windeier geben
    - Eier mit Kalkstörungen
    - die Henne bebrütet die Eier nicht
    - die Eier können zerstört werden (zum Beispiel aus den Nistkasten geworfen)
    - die Eier können von der Henne gefressen werden
    - die Eier können absterben
    - die Jungen können im Ei "ertrinken"

  • Ich bekam meinen ersten Wellensittich mit ca. 11 Jahren. Ihr Name war Tweety, eine Lutinohenne. Sie hatte bereits Zuchterfahrung, kam wohl "schwanger" zu mir, da ich keinen zuchtfähigen Hahn hatte (über 10 Jahre alt damals). Ich hatte keine Erfahrung in irgendeiner Hinsicht. Irgendwann hatte sie sich eine Höhle in einem Regal gebaut bzw gefunden und schon bald lag das erste Ei drin. Ich hatte solche Angst um sie, dass ich ihr einen Brutkasten gab. Wir fuhren in den Urlaub, mein Vater sah jeden Tag nach ihr und versorgte die Vögel. Jeden Tag schickte er eine SMS: "Ei zwei ist da. Ei drei ist da." usw. Als ich nach Hause kam, lagen die Eier auf dem Boden, sie hatte sie aus dem Kasten geworfen und begann sie zu essen. Ich war natürlich total enttäuscht, jetzt im Nachhinein aber unendlich froh dass sie alles überlebt hatte.


    Ich kann nur jedem in diesem Sinne - wenn es auch kein heftiges Beispiel ist - raten, auf keinen Fall einen Brutkasten anzubieten und peinlichst genau zu beobachten, ob die Hennen Nester finden bzw sich herrichten. Es kann schlimm ausgehen. Ohne Wissen und Vorkenntnisse (und auch ohne evtl. befreundeten Züchter, der einem zur Seite stehen kann) niemals Züchten!

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