Handzahmer Wellensittich wird scheuer

  • Hallo zusammen,


    ich habe kürzlich einen meiner beiden Wellis verloren und habe nun am letzten Samstag (22.09.) für meinen sehr, sehr ängstlichen Frauke (er ist ein Männchen mit Frauennamen :), ~ 2 Jahre alt, einen neuen Partner, Olli, 3 Monate, dazugeholt.


    Olli war total handzahm. Hielt man ihm die Hand hin, sprang er drauf. Er ließ sich auch kraulen und genoss das. Am Tag des Kaufs flogen sie schon gemeinsam durch das Zimmer. Ab der 2. Nacht schliefen sie in einem Käfig. Ging alles sehr gut.


    Am Dienstag, 25.09. musste ich mit Frauke zum Tierarzt. Da Frauke alles andere als zahm ist, musste ich ihn irgendwie aus dem Käfig holen. Mit der Hand hat es nicht geklappt, sodass ich (ich hasse es) ihn mit dem Ketscher einfangen musste. Olli war die ganze Zeit über auch in diesem Käfig und fand das nicht witzig.


    Frauke hat sich auf dem Weg zum Arzt sehr schnell wieder berappelt. Olli hingegen ist seit diesem "Ketscher-Moment" scheuer geworden. Komme ich mit der Hand auf ihn zu, dann hüpft er weg. Gestreichelt werden gefällt ihm nun auch gar nicht mehr.


    Ich habe mir extra einen zahmen Welli geholt, damit dieser Frauke mal zeigen kann, dass Menschen gar nicht so böse sind, wie er manchmal zu glauben scheint.


    Morgens, wenn ich den beiden Hirse aus der offenen Handfläche gebe, dann kommt als erstes Frauke an (was für ihn total ungewöhnlich ist. Das hat er sich in der Tat von Olli abgeguckt! Und das freu mich riesig!!!). Später dann, nach kritischer Beäugung der Hand, traut sich auch Olli rauf.


    Meine Fragen:

    Kann es sein, dass nun der Olli sich die Angst von dem älteren Frauke abguckt (statt umgekehrt)?

    Kann es tatsächlich an der Ketscher-Geschichte liegen, dass der eigentlich total handzahme Olli nun plötzlich so ängstlich ist?

    Was kann ich tun, um das Vertrauen zurückzubekommen (mit Abstand die wichtigste Frage)


    Hat jemand ähnlich Erfahrungen gemacht und kann mir die eine oder andere Antwort geben?


    Vielen Dank und liebe Grüße

    Nicole

  • Wellensittiche sind Charaktertiere und haben ein sehr gutes Gedächtnis. Dein Olli ist sehr jung zu dir gekommen, handzahm und wahrscheinlich gut "vorgehändelt".

    Es gibt mehrere Möglichkeiten, weshalb Olli nun etwas scheu reagiert:

    1. Es ist eine Eigenart von ihm.

    2. Er hat das "Käscher-Erlebnis" noch präsent und ist deswegen jetzt vorsichtig.


    Ich würde mich ein paar Wochen täglich zur selben Tageszeit vor die Voliere stellen, Kolbenhirse oder andere Leckerchen in der Hand. Wenn Olli dann wieder kommt, um Leckerchen aus der Hand zu nehmen, dann wird er das Käscher-Erlebnis zwar nicht vergessen, aber die guten Erfahrungen werden überwiegen. Er wird dann wieder so zutraulich wie früher.

    Falls "Scheu-Sein" eine Eigenart von ihm ist - was jedoch unwahrscheinlich ist - wird er dieses nicht ablegen, aber für Leckerchen, die attraktiv genug sind, auch auf die Hand kommen.


    Für das Training ist Geduld nötig, ein ruhiges Händchen und ein ruhiger Raum ohne Störeffekte. So bekommt man fast jeden Wellensittich zahm.

  • Junge Tiere sind generell arglos und daher oft auch zutraulich. Aber sie lernen natürlich dazu, das ist ja auch wichtig, sonst würden sie nicht überleben.

    So kann es schon sein, dass ein sehr zahmes Welliküken mit der Zeit ängstlicher wird. Das ist eigentlich normal. Vielleicht hat Olli diese Kescher-Aktion tatsächlich auch erschreckt, aber manchmal muss man Wellis fangen, da hilft nichts. ( Beim nächsten Mal kannst Du es im Dunkeln versuchen. Einer macht das Licht aus, der Andere merkt sich, wo der Welli saß und schnappt ihn, vielleicht klappt das besser).

    Wie Tweety-19 sagt, musst Du jetzt geduldig dranbleiben.

    Und natürlich orientieren sich Wellis am Verhalten ihres Partners. Mut oder Ängstlichkeit, beides färbt ab. Also, leg Dir einen Vorrat an Hirse zu und beschäftige Dich mit den Beiden, ohne sie zu bedrängen.

    Viel Spaß :)

    Es grüßen


    Nemo, Lumpi, Dorie, Polly und Monika


    Sowie all die lieben Engel-Wellis

  • Mein Gedanke dazu,er interessiert mehr für seinen Partner,als für den Menschen. Wahrscheinlich lebte Ollie erst einmalals Einzeltier und war auf den Menschen geprägt und nun lebt er wie ein Wellie. Er orientiert sich mehr an seimnem Artgenossen und nicht an den Menschen.

  • Ich halte das Erlebnis mit dem Kescher für am wahrscheinlichsten. Olli war erst 3 Tage bei dir und hatte wahrscheinlich noch damit zu tun, sich an die neue Umgebung, den neuen Gefährten und den neuen Felo zu gewöhnen. Dann kam dieses Erlebnis und er sah, wie Frauke "gefangen und abtransportiert" wurde. Das kann schon einen Eindruck auf ihn gemacht haben und er befürchtet nun, wenn deine Hand kommt, ein ähnliches Erlebnis für sich. Die Aussage ist natürlich stark vermenschlicht, Wellis werden mehr instinktiv handeln als ich schrieb, aber so ist es etwas verständlicher.

    Wie die anderen dir schon geraten haben, brauchst du jetzt viel Geduld und solltest dich intensiv mit ihnen beschäftigen, aber ohne sie zu bedrängen. Frauke hat dir das Erlebnis scheinbar nicht übel genommen, da er ja dennoch wieder Hirse aus der Hand nimmt. Olli wird sich auch dies mit der Zeit abgucken und dann die momentane Scheu vor dir auch wieder verlieren bzw. wieder Vertrauen zu dir aufbauen.

    Grüße von Olaf und seiner Rasselbande Tweety und Chico (immer in unseren Herzen: Bubi t 2015, Lilli t 2016)



    Das Moderatoren-Team steht euch auch bei Problemen, Unstimmigkeiten, Fragen etc. gerne helfend zur Verfügung. Persönliche Kontaktaufnahme über Konversation an den Moderator eures Vertrauens.

  • Ich habe im Mai auch 2 Wellis geholt, die "richtig" handzahm waren und 2 Wochen von meinen vorhandenen (auf die Hand für Futter gehenden) Wellis getrennt.

    Nach der Zusammenführung wurden die beiden auch scheuer, kommen aber noch immer auf die Hand (auch freiwillig) und einer lässt sich auch weiterhin von mir durchkraulen.

    Aber meine "Altvögel" haben sich das Verhalten von den beiden trotzdem nicht abgeschaut und kommen weiterhin nur für Essen auf die Hand.


    Denke auch, dass die Fangaktion den Kleinen jetzt etwas vorsichtiger gemacht hat, was aber bestimmt wieder mit ganz viel Geduld "hinzukriegen" ist.


    Für immer in meinem Herzen mein Chico-Baby und mein Butze-Schatz :love:

  • Was mir dazu einfällt ist: Auch Wellis haben ihre "Launen" und reagieren entsprechend mal so und mal so. Das ist besonders stark bei unserem Louie zu sehen, der sogar in eine andere Ecke der Voliere flüchtet, wenn die Felos nur den Raum betreten. An anderen Tagen sitzt er aber neugierig da und beobachtet. Dann kann man ihn sogar mit dem Finger berühren und er spielt und knabbert damit.


    Ansonsten würde ich in dem Falle auch zum Kescher Erlebnis als Ursache tendieren. Der Tipp von Tweety mit der Kolbenhirse täglich zur selben Zeit klingt doch ganz gut, das würde ich ruhig mal ausprobieren. In jedem Fall heißt es aber: Wellis = Geduld haben ;)

  • hallo zusammen,


    vielen dank für die vielen antworten und tipps!!!


    jeden morgen und abend halte ich die hand gaaanz ruhig rein, mit kolbenhirse. sie kommen beide rauf - yeahh!!! ich denke, dass ihr alle recht habt. ich muss einfach geduld haben. der kleine ist ja auch noch so klein und weiß ja noch gar nichts vom wellileben :)


    Schnubbeln : der olli stammt nicht aus einer einzalhaltung. er hat seine ersten 3 monat mit vielen wellis in einer voliere verbracht ;)


    Leni1 : ja, du hast recht. es sollte eigentlich nicht das wichtigste sein, zahme wellis zu haben. leben und leben lassen. das stimmt auf jeden fall. ich hatte mich nur so gefreut einen welli zu haben, der auf meine hand geht und sich auch kraulen lässt. und ich hatte gehofft, dass der ältere, frauke, sich das abgucken könnte. ABER ich will jetzt auch echt mal geduldig sein. olli ist ja noch nicht mal eine woche bei mir ;)


    ich habe jetzt eine woche urlaub und werde sehr viel zeit mit den beiden verbringen. ich sag nur: "kolbenhirse satt!" ;) (kleiner scherz. es soll ja nicht zu viel sein. nicht dass ich mir hier noch zwei kleine klopse ranfüttere, nur damit sie auf meiner hand sitzen :)


    vielen lieben dank an euch alle

    eure nicole :)

  • Wie gesagt, nicht verrückt machen.

    Wie das im Alltag hier aussieht(zahm vs wild/ Vor-Nachteile):

    Bei meinen früheren handzahmen und neugierigen Wellis konnte ich problemlos Krallen schneiden oder sie einfach für Untersuchungen mit der Hand stressfrei einfangen. Dafür haben sie überall dran rumgeknabbert, sind überall hingeflogen, haben überall hingekotet. Die heutigen scheuen Wellis muss ich zwar für mögliche Untersuchungen keschern, dafür fressen die nix an was gefährlich sein könnte - auch kein Zeitungs- respektive Eintreupapier(für gewisse Spezies :P ), gehen/fliegen nicht auf den Käfig oder Fußboden, kommen somit weniger mit Keimen(Vogelkot etc) zusammen, haben ihre genauen Anflugplätze, die ich einfacher vor Vogeldreck schützen kann. Basilikum oder Kolbenhirse fressen sie aber immer noch aus der Hand, ohne darauf zu klettern. Meine jetzigen Vögel waren bis zum Sommer auch zutraulicher - aus heiterem Himmel und unerklärlichen Gründen halt nicht mehr.

  • ... das mit den launen kann ich bestätigen. es gibt tage, da springen beide sofort auf die hand, um hirse zu fressen. und es gibt tage, da scheinen sie nicht zu wissen wer ich bin ;) dann ist auch die hand wieder völlig neu für sie. ich habe jetzt entschieden sie sein zu lassen wie sie wollen. mir macht es auch viel freude sie einfach aus sicherer entfernung zu beobachten. das wirkt immer sehr beruhigend auf mich (und hoffentlich nicht unberuhigend auf sie :)


    vielen dank nochmal an euch alle!


    liebe grüße